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Studie fordert Aus für die „Rente mit 63“

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Gütersloh / Berlin | 03.06.2026 – Die Abschaffung der abschlagsfreien „Altersrente für besonders langjährig Versicherte“ (bekannt als „Rente mit 63“) könnte die Staatskasse massiv entlasten und dem akuten Fachkräftemangel entgegenwirken. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) im Auftrag der Bertelsmann Stiftung. Ein Ende dieser Vorruhestandsregelung würde demnach pro Rentnerjahrgang rund 9,5 Milliarden Euro einsparen und dem Arbeitsmarkt das Äquivalent von 125.000 Vollzeitkräften erhalten.

 

Hohe Kosten und Verlust von wertvollem Know-how

Die abschlagsfreie Frührente erfreut sich bei Arbeitnehmer:innen in Deutschland großer Beliebtheit. Jährlich nutzen rund 250.000 bis 280.000 Erwerbstätige diese Option, was etwa 30 Prozent aller neuen Renteneintritte ausmacht. Wer mindestens 45 Beitragsjahre nachweist, darf 24 Monate vor dem Regelrentenalter (derzeit 66 Jahre und 4 Monate) ohne Abschläge in den Ruhestand gehen – faktisch handelt es sich aktuell also um eine „Rente mit 64 ⅓“.

Diese Regelung verursacht laut Wirtschaftexperten jedoch erhebliche Probleme:

  • Hohe Ausgaben: Die Frührente macht bereits ein Fünftel der Gesamtausgaben der Gesetzlichen Rentenversicherung aus – Tendenz steigend.

  • Fachkräftemangel: „Es belastet die Rentenkasse, zugleich gehen der Wirtschaft Kompetenz, Fachwissen und Arbeitskraft vorzeitig verloren“, warnt André Schleiter, Arbeitsmarktexperte der Bertelsmann Stiftung.

 

Die finanziellen Effekte für den Staat im Detail

Die Berechnungen der Wissenschaftler:innen basieren auf dem Jahrgang 1957. Fiele die Option weg, würden Versicherte ihren Renteneintritt im Schnitt um zehn Monate verschieben und danach mit entsprechenden Abschlägen in Rente gehen.

Posten Auswirkung auf den Staatshaushalt
Entlastung der Rentenversicherung + 10,4 Milliarden Euro (verteilt über geringere Rentenzahlungen)
Mindereinnahmen / Mehrausgaben - 860 Millionen Euro (Steuern, Kranken-, Pflege- & Arbeitslosenversicherung)
Netto-Einsparung pro Jahrgang = 9,5 Milliarden Euro

 

rente-geniessen

 

Gut Qualifizierte gehen am häufigsten vorzeitig

Entgegen der Annahme, dass vor allem gesundheitlich stark belastete Berufsgruppen die „Rente mit 63“ nutzen, zeigt die Auswertung der Erwerbiografien ein anderes Bild: Profitieren tun meist Personen mit langen, stabilen Erwerbsbiografien und überdurchschnittlich hohen Rentenansprüchen. Ein Viertel von ihnen arbeitet sogar im Rentenbezug weiter.

„Durch ein Aus für die ‚Rente mit 63‘ würden die öffentlichen Kassen kräftig entlastet. Aber weit größer ist doch der Nutzen, der entsteht, wenn es gelingt, erfahrene, gut qualifizierte Beschäftigte einige Monate oder gar Jahre länger im Job zu halten.“

— Eric Thode, Senior Advisor der Bertelsmann Stiftung

 

Soziale Absicherung: Kompensationen für Härtefälle gefordert

Eine pauschale Abschaffung würde Menschen mit eingeschränkter Erwerbsfähigkeit unverschuldet treffen. Um soziale Härten zu vermeiden, schlagen die Expert:innen der Bertelsmann Stiftung gezielte Gegenmaßnahmen vor:

  • Einkommensgrenzen: Koppelung des Zugangs an das frühere Einkommen (z.B. eine Grenze von 60 Prozent des Durchschnittseinkommens, da körperlich harte Arbeit oft schlechter bezahlt wird).

  • Ausbau der Grundrente: Zur Abfederung von Abschlägen bei Geringverdienern.

  • Alternative Nachweise: Individuelle Gesundheitsprüfungen oder der Nachweis langjährig belastender Tätigkeiten (jedoch bürokratisch aufwendig).

Zudem betonen die Forscher, dass parallel dringend in Weiterbildung und gesunde Arbeitsbedingungen investiert werden muss, um das Arbeiten bis zum regulären Rentenalter überhaupt zu ermöglichen.

Quelle: https://www.bertelsmann-stiftung.de/de/themen/aktuelle-meldungen/2026/abschaffung-der-altersrente-fuer-besonders-langjaehrig-versicherte-wuerde-95-milliarden-euro-pro-jahrgang-sparen-und-125000-arbeitskraefte-erhalten

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